Nachdenkliches

Einen Hund aus dem Tierheim holen – Mein Erfahrungsbericht

Normalerweise handelt dieser Blog ja eher von lockeren Themen, dennoch möchte ich heute mal ein ernsteres Thema ansprechen.

Ich bin als Kind immer von Hunden umgeben gewesen. Sei es, weil meine Mutter und ich einen tollen Hund (ein Hovawart namens Anton) hatten oder, weil meine Großeltern schon immer eigene Hunde hatten – sowohl Haushunde als auch Jagdhunde. Ich war seit jeher von den Fellnasen begeistert.

Die Vorgeschichte

Als 2012 dann mein Hund Anton an einer Magendrehung starb, dachte ich, mein Herz würde heraus gerissen. Für manche mag das vielleicht übertrieben klingen, aber diesem felligen Begleiter gehörte nun mal mein Herz. Er war immer für mich da, tröstete mich, wenn ich traurig war und hat mich oft zum Lachen gebracht. Anton fehlt mir bis heute.

Ziemlich schnell stand fest, dass wir uns für längere Zeit keinen neuen Hund anschaffen würden. Zu sehr haben wir ihn vermisst und es war klar, dass kein anderer Hund ihn so einfach ersetzen konnte. Aber, und auch diesen Aspekt sollte man nicht außer Acht lassen, ohne Hund ist man eben auch einfach flexibler, sei es bei der normalen Freizeitgestaltung oder gerade beim Urlaub.

Dennoch. Nach 5 Jahren ohne Hund fing ich letztes Jahr an, mich mit dem Gedanken an einen neuen tierischen Begleiter vertraut zu machen. Ich habe das Glück, einen Arbeitgeber zu haben, der Hunde im Büro ausdrücklich erlaubt. Dadurch wurde mir die Entscheidung natürlich einfacher gemacht. Schließlich kann man einen Hund ja auch nicht 10 Sunden oder länger am Tag allein lassen und eine dauerhafte tagsüber Fremdbetreuung schließe ich für mich und meinen Hund aus.

Einen Hund aus dem Tierheim holen?

Kaum war geklärt, dass ich mir einen Hund anschaffen würde, kam direkt die nächste Frage auf: Einen Hund vom Züchter oder aus dem Tierheim? Beides hat natürlich Vor- und Nachteile. In diesem Artikel will ich auch nicht auf meine innere Pro- und Contra Liste eingehen. Ich entschied mich schließlich für einen Hund aus dem Tierheim, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Auch Hunde aus dem Tierheim haben ein schönes Zuhause verdient, gerade weil sie oft Schreckliches erlebt haben
  • erwachsene Hunde haben es schwerer vermittelt zu werden, weil viele Käufer natürlich lieber einen kleinen Welpen möchten
  • Ein Welpe schied für mich aber wiederum aus, weil ich mir nicht 4 Wochen Urlaub nehmen konnte, sondern den Hund ziemlich direkt mit zur Arbeit nehmen wollte
  • ein Hund vom Züchter kommt auch nicht mit der Garantie daher, immer gesund zu bleiben

Also fing ich an, die Tierheime in der Umgebung zu beobachten und auch mal mit meiner Mutter hinzufahren. Denn sie sollte den Hund ja auch mögen, wenn sie öfter auf ihn aufpasst.

Letzten Sommer waren wir dann in einem Tierheim und wurden bei unserem Rundgang auf einen Hund aufmerksam, der deprimiert in seinem Körbchen lag, zusammengerollt, mit traurigen Augen und keine Anstände machte, aufzustehen und zum Zaun zu gehen. Mit diesem Verhalten unterschied er sich definitiv von vielen der anderen Hunde, die hektisch kläffend durch ihren Zwinger rannten.

Nach zwei Spaziergängen und dem Probetag stand fest: Das ist er. Unser, mein neuer Hund. Angeblich hatte der 5-jährige Rüde schon eine Familie in Bulgarien gehabt. Anhand seines Verhaltens (er kannte nichts aus dem Alltag und war am Anfang ständig reizüberflutet und ängstlich) würde ich aber schätzen, dass er höchstens als Kettenhund gehalten wurde. Zum Glück war er von Anfang an stubenrein, super verschmust  und man merkte richtig, wie auch er sich Mühe gab.

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Hallo Hitch!

Seit er bei mir ist (seit August 2017), hat Hitch sich so sehr verändert. Der eingeschüchterte, ängstliche Rüde, hat sich zu einem fröhlichen, aufgeblühten Fellknäuel  entwickelt. Sein Fell glänzt und ist nicht mehr stumpf, er läuft selbstbewusster und nicht mehr mit eingezogenem Schwanz und jetzt, nach einem halben Jahr habe ich das Gefühl, er ist endgültig angekommen und hat sich auf mich geprägt.

Ich muss zugeben, am Anfang war ich manchmal wirklich enttäuscht, dass er nur so neben mir her zu leben schien. Aber: Warum sollte sich ein Hund, der 5 Jahre lang allein oder zumindest emotional verwahrlost lebte, sich auf einmal auf einen Menschen einlassen?

Mittlerweile beherrscht er auch die gängigen Kommandos und führt diese auch aus (zumindest meistens, er kann ein richtig sturer Bock sein haha).

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Das Fazit

Kommen wir zu der Frage, die wohl am spannendsten ist: Wie lautet mein Fazit? Würde ich mir wieder einen Hund aus Tierheim holen?

Die Antwort lautet: Jein.

Natürlich gibt es viele positive Punkte, die für eine Adoption aus dem Tierheim sprechen. Es gibt aber auch genug dagegen. Ich glaube, man muss schon richtig Glück haben. Viele Hunde, die im Tierheim landen, haben eine Macke oder sind aus anderen Gründen schwierig.

Auch Hitch ist da keine Ausnahme. Auch er hat bestimmte Macken, mit denen man umgehen muss. Und im Gegensatz zu einem Hund, den man bereits seit dem Welpenalter kennt, kann man einen erwachsenen Hund oft wirklich schlecht einschätzen. Was ist sein Problem? Warum reagiert er jetzt so?

Dazu kommt, dass Hitch eine Krankheit hat, die zwar nicht dramatisch schlimm ist, ihn aber trotzdem einschränkt und einfach einen Mehraufwand verursacht. Leider ist diese Krankheit nicht heilbar, weshalb wir wohl noch die nächsten Jahre mit der Behandlung verbringen werden.

Insgesamt freue ich mich schon, einen Hund aus dem Tierheim geholt zu haben und freue mich, dass es meinem Hund jetzt so gut geht.

Trotzdem denke ich, dass ich, sofern ich mir noch mal einen Hund anschaffen sollte, nächstes Mal doch wieder einen Welpen vom Züchter kaufen würde.

3 Kommentare zu “Einen Hund aus dem Tierheim holen – Mein Erfahrungsbericht

  1. Ich finde es super, dass du dich für einen Hund aus dem Tierheim entschieden hast. Ich habe auch einen Tierschutzhund und würde es immer wieder ganz genauso machen. Ich verstehe auch die Kontrapunkte, wobei man die eigentlich auch beim Hund vom Züchter haben kann. Was Krankheiten beispielsweise angeht, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Rassehunde aus meinem Umfeld alle viel schneller krank werden und in der Regel auch in früherem Alter sterben. Ich habe das Gefühl, Mischlinge und Straßenhunde sind besonders „robust“ 😉Und ich denke, auch bei einem Welpen kann etwas schief gehen bei der Erziehung, sodass man später Probleme bekommt. Das alleine wäre jetzt für mich persönlich kein Grund, einen Zuchthund zu bevorzugen – gerade weil ich die Pro-Tierheim-Argumente, die du genannt hast, so wichtig finde. Letzendlich bleibt es aber jedem selbst zu entscheiden.
    Ich wünsche dir und deinem Hund noch ganz viel Freude zusammen 😊🐾

    Gefällt 1 Person

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